Die Überarbeitung zweier Volvo Penta AQ-140 Bootsmotoren

  • Moin Leute,


    wie gewünscht hier ein kleiner Bericht über die Restauration zweier Volvo Bootsmotoren, die ich und mein Kumpel Tobi letztes Jahr durchgezogen haben.


    Zur Vorgeschichte: Mein Vater hat sich ein kleines Boot gekauft. Da das Baujahr in den 70ern war und das Boot in Spanian am Meer lag, war der Zustand der Technik und auch des Bootes nicht das, was man als perfekt bezeichnen würde. Die Motoren hatten zwar keine hohen Laufleistungen hinter sich, aber ein paar Schrauben waren offensichtlich rostig. Da ohnehin die Motoren ausgebaut werden sollten, um die Bilge ein wenig zu überarbeiten, wollte mein Vater die Motoren optisch auffrischen. Eine Kompressionsprüfung hatte ergeben, daß diese noch sehr gut im Futter standen, also sollte es keine komplette Motorüberholung werden.


    Geplant war der Austausch der Schrauben gegen neue und eine Säuberung. Ich habe dann angeregt gleich alles neu abzudichten, wenn man die Motoren schon draußen hat. Der Kopf sollte drauf bleiben.


    Kein riesiger Aufwand, aber es wurde mehr als gedacht!


    Tobi ging mit mir ans Zerlegewerk von Motor 1:




    Nach der Demontage einiger Teile bot sich dieses Bild:





    Leichter "Flugrost" überall. Der Zahnriementrieb konnte so nicht bleiben. Der Zahnriemen war nicht mehr der fitteste und auch ein neuer hätte auf den rauhen Zahnrädern kein langes Leben gehabt. Der Motor ist zwar ein Freiläufer, aber einen Motorausfall muß man ja nicht unbedingt riskieren.






    Und am Auslaß von Zylinder 4 hatte das Salzwasser gut gewütet:



    Hintergrund: Der Motor hat 2 Wasserkreisläufe. Einen internen, normalen in dem Kühlmittel zirkuliert. Dieses gibt in einem Wärmetauscher seine Hitze an Seewasser ab, das von einer zweiten Pumpe gepumpt wird. Dieses Wasser wird unter der Wasserlinie angesaugt, fließt erst durch den Wärmetauscher und danach durch den wassergekühlten Krümmer um sich an dessen Ende mit den Abgasen zu vermischen und am Antrieb unten zurück zu fließen. Dadurch gibt es in keinen glühend heißen Krümmer und man braucht keine Abgasanlage. Leider scheint es bei diesen Pentas so zu sein, daß beim Abstellen des Motors ein wenig Salzwasser grade am letzten Zylinder stehen bleibt und die Korossion anfängt.


    Lange Rede kurzer Sinn: Der Kopf mußte bei beiden Motoren runter, um in einem Fachbetrieb eine Hülse in den Auslaß einsetzen zu lassen.


    Weiter gehts im nächsten Teil...


    Gruß


    Fabian

  • Weiter gehts...


    Nach etwas Arbeit sahen dann beide Motoren so aus:




    Kopf ab! Die Kolben sind wirklich noch einwandfrei.



    Und auch die Zylinderlaufflächen sind prima in Ordnung. Man kann schön erkennen, daß der Kolben nur bis einige Millimeter an die Oberkante hochkommt. Freiläufer eben. Wenig Verdichtung, aber dafür quasi unkaputtbar.



    Die Ventile sind auch noch perfekt und waren nicht mal sonderlich verrußt. Man kann an der Farbe erkennen, daß die Verbrennung ganz gut gelaufen ist.


    Der Volvo Penta AQ-140 basiert auf dem B21A Rotblock Motor von Volvo, der auch im 240 und 740 Verwendung fand. So sind einige Teile günstig aus dem Automobilhandel zu bekommen, aber bei allen spezifischen Teilen für Pentas wird es RICHTIG teuer, wenn man die Teile überhaupt bekommen kann. Bei dem guten Zustand der Köpfe war es dann tatsächlich sinniger die beiden Köpfe reparieren zu lassen und keine Ersatzköpfe vom Schrott zu holen. Da hätte es einige Rotblöcke gegeben, deren Köpfe gepaßt hätten.


    Die Verwandschaft zum millionenfach verbauten Volvo 2,1 und 2,3 Liter Motor sollte sich trotzdem noch als nützlich erweisen.


    Nachdem die Köpfe unterwegs zur Reparatur waren, haben wir uns entschlossen erstmal Motor 1 anzugehen und fertig zu machen, bevor wir den zweiten verarzten. Der Block wurde mit der Drahtbürste grob entrostet. Danach kam hochprozentige Phosphorsäure als Rostumwandler zum Einsatz.


    Nach Stopfen aller Löcher haben wir dann alles nochmal sauber entfettet und 2 Schichten Zinklack aufgebracht. Danach sollte der Block in Penta-Rot lackiert werden. Kauft man dazu bei Volvo passende Farbe, so ist diese kaum bezahlbar, schon gar nicht in der Menge, um zwei der Motoren zu lackieren. Es gab aber bei Ebay einen Anbieter, der angebliches Penta-Rot als Sprühdosen verkaufte. Zwar immer noch zu einem stolzen Preis (15€/400ml Dose), aber bezahlbarer. 2 Dosen gekauft und mit der ersten losgelegt. Holla! Da war kein Volvo-Rot drin sondern extrem strahlendes rot! Man wurde fast blind im grellen Sonnenlicht!




    Mir persönlich gefiel das und auch mein Vater hatte mit knallrot keine Probleme. Die Farbe hätte aber nicht für beide Motoren und 3 Schichten gereicht, also habe ich noch eine Dose Hammerit in rot gekauft und bin dann damit drüber. Leuchtete kaum weniger, sollte aber kaum noch rosten.


    Danach alle Gewinde neu ausgebohrt und an die Anbauteile gegangen. Diese wurden in der Regel im Dieselbad gereinigt und dann neu lackiert. Fotos von den ersten fertigen Anbauteilen gibts im nächsten Beitrag...


    Gruß


    Fabian

  • Alle Teile wurden natürlich perfekt gereinigt und versiegelt, nicht nur einfach überlackiert. Für die Lackierung wurde entweder seidenmatter schwarzer Lack oder Aluminiumlack/Felgensilber verwendet.




    Die Lichtmaschine. Wo möglich wurden Edelstahlschrauben verwendet und alle Kontakte wurden gereinigt. Nachdem die Motren ja knallrot werden habe ich entschieden, daß die Räder des Riementriebes schön goldig werden. Da mußte mein Vater durch. :D



    Die offenen Luftfilter vor den Vergasern. Diese werden nur gereinigt, es existiert also kein Filtereinsatz.



    Deckel in alter Frische.



    Kistenweise Teile!


    Es mußte noch eine Lösung für die unbrauchbaren Teile des Zahnriemenantriebs gefunden werden. Glücklicherweise paßten da die Teile von den KFZ-Motoren. Ein Besuch beim Schrott und viel Flucherei später hatten wir diese Ausbeute:



    Die übrigen zu rostigen Räder konnte ich durch den Kauf eines kompletten Kopfes (20€) auftreiben.



    EIn paar Halter und Deckel.


     


    Und noch mehr davon.


    Weiter gehts mit der Montage des Kopfes im nächsten Beitrag.


    Gruß


    Fabian

  • Was tut man, wenn der Reparaturbetrieb für die Köpfe nicht in die Pötte kommt? Man beschäftigt sich schon mal mit anderen Dingen:



    Eine Polierstation für die Kupferrohre des Pentas. Diese haben wir auf Hochglanz poliert und danach mit Klarlack lackiert. So sieht das Ergebnis aus:



    Weitere Anbauteile wurden in die Mache genommen:



    Wärmetauscher mit Zinklack versiegelt...



    ...und Ausgleichsbehälter auch.


    Die bereits fertigen Teile wurden schon mal montiert:




    Und dann kamen endlich die Köpfe. Damit geht es im nächsten Beitrag weiter, diesmal wirklich!


    Gruß


    Fabian

  • Da geht man hin und versendet die 2 Köpfe (jeder 25kg schwer!) perfekt gepolstert in getrennten Paketen...



    ...und zurückgesendet werden diese beide frei fliegend in einem UPS Paket. Ergebnis: Ein Bolzen ausgebrochen und neben ein paar Kratzern in den Dichtflächen auch eine richtige Macke:



    Geschmirgelt sieht man daß die richtig tief reingehen:



    Bei dem "Fachbetrieb" behauptete man natürlich, daß die Macken schon drin waren, als die Köpfe kamen. :cursing:


    Egal, Tobi arbeitet ja bei einem Motoreninstandsetzer, also haben wir die Köpfe planen lassen.




    Und drauf damit!




    Weiter gehts mit der Komplettierung des Motors im nächsten Beitrag.


    Gruß


    Fabian

  • Neuer Zahnriemen ist drauf:




    Leider stellte sich noch heraus, daß die beiden Krümmer komplett von Ablegerungen aus dem Seewasser verstopft waren. Daher mußten neue her. Zum Glück konnte ich welche für den halben Preis auftreiben, aber auch der war noch heftigst! Naja, sollten wieder 40 Jahre halten hoffe ich.


    Haben wir natürlich gleich montiert, die kleinen 20kg schweren Teile:





    Es sieht wieder aus wie ein Motor!


    Die Fertigstellung erfolgt im letzten Beitrag.


    Gruß


    Fabian

  • Soo, fast fertig!



    Die beiden Vergaser haben wir unangetastet gelassen. Man kann die Kupferrohre schön erkennen, die zur Seewasserpumpe gehen.


    Nachdem der Motor aufgehängt wurde...


    Hangman2.JPG


    ...konnte die Ölwanne abgenommen und fertig gemacht werden.





    Und da ist er nun: Ein Penta AQ140 überarbeitet. Einzig der von uns überarbeitete Kabelbaum ist nicht zu sehen.







    Neben dem zweiten Motor haben wir dann auch noch die Antriebe gereinigt und neu lackiert:




    Außerdem waren ein paar Gummiteile stark von Ablagerungen belegt. Wirklich flexibel war das Material nicht mehr.



    Eine Nacht in Zitronensäure und ein wenig Massage mit Silikon und schon sind die guten Stücke wie neu:



    Nach Fertigstellung des zweiten Motors haben wir beide auf den Hänger geladen:



    Hab ich dann ohne Plane zum Boot gefahren. Sah bestimmt witzig aus mein Golf Trimoto.


    Eingebaut sehen die beiden dann so aus:



    Ich bin selber noch nicht mitgefahren, aber laut meinem Vater ist die Drehzahl bei Vollgas sigifikant angestiegen. Wenn man die Hebel auf den Pult legt, kriegt man nun auch wieder die vollen 280PS auf die Schrauben und das reicht auch um echt Spaß zu haben, wenn man nicht tanken muß.


    Dieses Jahr mache ich meinen Bootsführerschein und dann kann ich die Motoren auch mal selber quälen.


    Gruß


    Fabian

  • Alter Schwede... :respekt: 
    Viel mehr fällt mir dazu nicht ein.
    Die vergoldeten Elemente setzen sich super vom knalligen rot ab. Die Farbwahl finde ich äußerst gelungen, auch wenn sie ursprünglich nicht ganz so beabsichtigt war.


    Ansonsten: Dem "Fachbetrieb" der die Köpfe befingert hat gehört mächtig in den Allerwertesten getreten. Sowas ist doch ne Sauerei!



    :prost: 
    Michael

    - Team No Limit -


    Der frühe Vogel fängt den Wurm, aber erst die zweite Maus bekommt den Käse!

  • Hallo Fabian,


    freut mich, das Ende der Geschichte zu lesen.


    Habe die guten Stücke ja mal bei dir im Hof stehen sehen ...


    Hatte jetzt gar nicht gedacht, dass die 140 PS machen - gerade wegen der doch eher geringen Verdichtung.


    Hast du vielleicht mal ein Foto vom gesamten Boot?


    Gruß, Seb